Sonett 30

„Wenn ich zu süssen stillen sinnens tag / Aufruf erinnerung der vegangenheit / Beseufze manch ein ding woran mir lag / Und altes weh neu weint um schwund der zeit: // Dann fliesst mein aug dem seltne träne kam / Um teure freunde fern in todesnacht / Rinnt um der lang getilgten liebe gram / Klagt um den ausfall viel verblichner pracht. // Dann schmerzen mich die schmerzen längst ertragen / Und schwer von weh zu wehe zähl ich her / Die trübe liste schon beklagter klagen / Und zahle sie wie nicht bezahlt vorher. // Doch denk ich teurer freund an dich derweil / Sind sorgen ferne und verluste heil.“ (Übersetzung: Stefan George)

Kirchliche Dogmatik

„Er enthüllt sich als der, der er ist, indem er sich verhüllt in eine Gestalt, die er selbst nicht ist. Er bedient sich dieser von ihm selbst unterschiedenen Gestalt, er bedient sich seines Werkes und Zeichens, um in, mit und unter dieser Gestalt gegenständlich zu sein und also sich uns zu erkennen zu geben.“ (Karl Barth)

Sonett 30

„When to session of sweet silent thought / I summon up remembrance of things past, / I sigh the lack of many a thing I sought, / And with old woes new wail my dear time’s waste. // Then can I drown an eye, unus’d to flow, / For precious friends hid in death’s dateless night, / And weep afresh love’s long since cancell’d woe, / and moan th‘ expense of many a vanish’d sight. //  Then can I grieve at grievances foregone, / And heavily from woe to woe tell o’er / The sad account of fore-bemoaned moan, / Which I new pay as if not paid before. // But if the while I think on thee, dear friend, / All losses are restor’d, and sorrows end.“ (Shakespeare)

Die Krankheit zum Tode

„Der Zustand in der Sünde ist im tiefsten Sinn die Sünde, die einzelnen Sünden sind nicht die Fortsetzung der Sünde, sondern Ausdruck für diese Fortsetzung; in der einzelnen neuen Sünde ist das Tempo der Sünde nur sinnlich stärker wahrnehmbar.“ (Kierkegaard)

Probe

„In die Zeit denken“, ruft Sergiu Celibidache bei einer Probe zu Bartoks Konzert für Orchester, die zum Glück von den Tontechnikern, die auch das spätere Konzert mitschnitten, festgehalten wurde, den Musikern der Münchner Philharmoniker zu, „korrelieren, verbinden“.

Die Krankheit zum Tode

„Christlicher Heroismus ist – und wahrlich, man sieht ihn selten genug -, das Wagnis zu unternehmen, ganz man selbst zu werden, ein einzelner Mensch, dieser bestimmte einzelne Mensch, allein vor Gott, allein in dieser ungeheuren Anstrengung und mit dieser ungeheuren Verantwortung; dagegen ist christlicher Heroismus nicht, Narretei mit dem reinen Menschen oder Ratespiele mit der Weltgeschichte zu treiben.“ (Kierkegaard)

Orpheus

„Während er so sang und zu seinen Worten die Saiten schlug, weinten die blutlosen Seelen, Tantalus griff nicht nach der fliehenden Welle, staunend stand Ixions Rad still, die Vögel zerfleischten nicht die Leber des Tityos, die Beliden ließen ihre Krüge stehen, und du, Sisyphus, saßest auf deinem Stein.“ (Ovid)