Lichtzwang

„WAS UNS / zusammenwarf, / schrickt auseinander, // ein Weltstein, sonnenfern, summt.“ (Paul Celan)

 

 

 

 

Fadensonnen

„DIE KÖPFE, ungeheuer, die Stadt, / die sie baun, / hinterm Glück. // Wenn du noch einmal mein Schmerz wärst, dir treu, / und es käm eine Lippe vorbei, diesseitig, am / Ort, wo ich aus mir herausreich, // ich brächte dich durch / diese Straße / nach vorn.“ (Paul Celan)

Nur Narr ! Nur Dichter !

In den vergangenen Tagen hatte ich das Vergnügen, mit den anderen Teilnehmern des Peter-Szondi-Kollegs in Osnabrück, das nun mittlerweile seit zehn Jahren besteht, späte Gedichte Nietzsches sowie Abschnitte aus dessen Zarathustra zu interpretieren. Es ist sicherlich nicht selbstverständlich, daß in solch einem speziellen wissenschaftlichen Kontext, in dem ich die Rolle des quasi beruflich schreibenden, im Rahmen der gemeinsamen Lektüren implizit auch das eigene „Handwerk“ reflektierenden Gastes innehatte, eine so freundlich gelassene und gleichzeitig enorm auf den Gegenstand konzentrierte Atmosphäre herrscht.

Veröffentlichungen

Der kleine Gedichtband Das Glühen in den Fingerspitzen, im Rahmen des Lyrik-Stipendiums am Buchhaus Loschwitz in Dresden entstandenist nun endlich erschienen und kann über jede Buchhandlung bzw. via Amazon bezogen werden. Außerdem finden sich in der neuen Ausgabe der Literaturzeitschrift trashpool ein paar neue Gedichte meinerseits.

Die Geburt der Tragödie

„Ja, meine Freunde, glaubt mit mir an das dionysische Leben und an die Wiedergeburt der Tragödie. Die Zeit des sokratischen Menschen ist vorüber: kränzt euch mit Epheu, nehmt den Thyrsusstab zur Hand und wundert euch nicht, wenn Tiger und Panther sich schmeichelnd zu euren Knien niederlegen. Jetzt wagt es nur, tragische Menschen zu sein: denn ihr sollt erlöst werden. Ihr sollt den dionysischen Festzug von Indien nach Griechenland geleiten ! Rüstet euch zu hartem Streite, aber glaubt an die Wunder eures Gottes !“ (Friedrich Nietzsche)

Die Geburt der Tragödie

„Aus dem Wesen der Kunst, wie sie gemeinhin nach der einzigen Kategorie des Scheines und der Schönheit begriffen wird, ist das Tragische in ehrlicher Weise gar nicht abzuleiten; erst aus dem Geiste der Musik heraus verstehen wir eine Freude an der Vernichtung des Individuums. Denn an den einzelnen Beispielen einer solchen Vernichtung wird uns nur das ewige Phänomen der dionysischen Kunst deutlich gemacht, die den Willen in seiner Allmacht gleichsam hinter dem principio individuationis, das ewige Leben jenseit aller Erscheinung und trotz aller Vernichtung zum Ausdruck bringt. Die metaphysische Freude am Tragischen ist eine Uebersetzung der instinctiv unbewussten dionysischen Weisheit in die Sprache des Bildes: der Held, die höchste Willenserscheinung, wird zu unserer Lust verneint, weil er doch nur Erscheinung ist, und das ewige Leben des Willens durch seine Vernichtung nicht berührt wird.“ (Friedrich Nietzsche)

Regressiv

„Ach, nicht in dir, nicht in Gestalten / der Liebe, in des Kindes Blut, / in keinem Wort, in keinem Walten / ist etwas, wo dein Dunkel ruht. // Götter und Tiere – alles Faxen. / Schöpfer und Schieber, ich und du – / Bruch, Katafalk, von Muscheln wachsen / die Augen zu. // Nur manchmal dämmert’s: In Gerüchen / vom Strand, Korallenkolorit, / in Spaltungen, in Niederbrüchen / hebst du der Nacht das schwere Lid: // Am Horizont die Schleierfähre, / stygische Blüten, Schlaf und Mohn, / die Träne wühlt sich in die Meere – / dir: thalassale Regression.“ (Gottfried Benn)